Anlage und Pflege eines Teichbiotops im Kieswerk Ültzen bei Kirchstockach

Kieswerk Ültzen mit Kirchstockach Vielen Pflanzen- und Tierarten, die früher in den Biotopen von Flusslandschaften vorkamen, bieten aufgelassene Kiesaubbaustellen wie in der Kiesgrube Ültzen (zum vergrößern anklicken, wieder verkleinern mit Doppelklick) eine zweite Heimat. Magerrasenstandorte, offene Kiesflächen, Stillgewässer, Flachwassersümpfe, Schlammfluren, Kleingewässerstrukturen, und trockene Bereiche mit wärmeliebenden Strauchgesellschaften sind typische Erscheinungsformen solcher sekundär geschaffener Biotope.

Das Wild sucht gerne die Gewässer zum Trinken auf. In die Kiesgrube Ültzen bei Kirchstockach (Gemeinde Brunnthal) kommen Rehe, Füchse, Marder, Hasen und viele Kleinsäuger wie Gelbhals-, Wald- und Rötelmaus sowie die meisten heimischen Vogelarten.

Zu Beginn der 1980-er Jahre fanden sich im Bereich des Kieswerks Kleingewässer mit zeitweiser Austrocknung und zunehmender Verlandung. Dadurch wurde der Weiterbestand einer Population von Kröten und Molchen gefährdet. Um den noch vorhandenen Beständen sichere Laichplätze zu bieten, entschloss sich Natur und Umwelt Südost e.V., hier ein dauerhaftes Gewässer zu schaffen. Der Kieswerksbetreiber Ültzen GmbH und der Grundeigentümer Ganser KG stimmten dem Vorhaben spontan zu und versprachen tatkräftige Mithilfe.

Das Projekt stand unter der Leitung von Dipl.-Ing. Fritz Baur, Mitglied von Natur und Umwelt Südost e.V., und wurde von der Regierung von Oberbayern gefördert. Fachliche Berater waren Dipl.-Ing. Otto Assmann, Freising, und Dipl.-Biol. Detlef Schilling, Neubiberg. Lage, Größe und Form der Gewässer ergaben sich aus dem Busch- und Baumbestand, der in die Planung mit einbezogen wurde. Die Wasserdurchlässigkeit des Untergrunds erforderte die Abdichtung durch eine Teichfolie. Die Gestaltung sollte möglichst naturnah erfolgen, zur weiteren Entwicklung sollte der Teich sich weitgehend selbst überlassen bleiben. Hier zum Lageplan, zum Längsschnitt, und zur Uferausbildung.

1984 neu angelegter Teich Im Frühjahr 1984 wurde das Biotop von vielen freiwilligen Helfern mit Unterstützung der Ültzen Gmbh gebaut und von der freiwilligen Feuerwehr Brunnthal gefüllt, wie auf den Bildern zu sehen ist. Im Bild links (zum Vergrößern anklicken, wieder verkleinern mit Doppelklick) der neu angelegte Teich. Das Biotop hat eine Größe von etwa 15 x 20 Metern und eine Tiefe von etwa 150 cm.

Schon im Juni desselben Jahres, einen Monat nach Ende der Bauarbeiten, hatten sich Kröten und Molche zum Ablaichen eingefunden. Bald belebten Schwärme von Kaulquappen und Molchlarven das neue Gewässer. Wasserschnecken, Libellenlarven, Rückenschwimmer und Gelbrandkäfer waren in großer Zahl zu beobachten. Eine Anzahl von Grasfröschen bevölkerte das Gewässer, und regelmäßig quakte sogar ein einzelner Wasserfrosch. Alle eingesetzten Wasserpflanzen waren gut angewachsen, allzu üppiges Wachstum wurde durch den nährstoffarmen Teichgrund verhindert. Der Teich glich insofern den typischen Kiesgrubengewässern.


Teich nach 2 Jahren Innerhalb von nur zwei Jahren entwickelte sich aus der kahlen und öden Fläche eine richtiggehende Idylle (zum vergrößern anklicken, wieder verkleinern mit Doppelklick), und zwar sowohl unter ökologischer als auch unter ästhetischer Betrachtungsweise. In den folgenden Jahren waren immer wieder Pflegemaßnahmen erforderlich, sowohl im Teich, als auch im Umgriff. So mussten wir zum Beispiel den üppig wuchernden Weidenbewuchs bremsen. Es gab vielfältiges Leben im und am Gewässer. Erdkröten, Bergmolche, Teichfrösche, Ringelnattern fanden hier ihr Laichgewässer und ihr Jagdrevier, über Jahre hinweg schwammen zwei große Graskarpfen und eine Schmuckschildkröte im Teich.

Im Laufe der Zeit wurde der Biotop jedoch immer mehr von der sich ausbreitenden Kompostieranlage eingeengt und umzingelt, und verlor damit immer mehr an ökologischem Wert. Auch die Verschilfung nahm immer stärker zu. Trotzdem war es im Frühjahr 2008 ein trauriges Ereignis, als das Gewässer zerstört werden musste, weil die Fläche für die Geothermieanlage benötigt wurde. Beim Bau des Gewässers hatte die Ganser KG für 10 Jahre schriftlich den Bestand zugesagt, bei fast 25 Jahren kann man nicht reklamieren. Da die Kunststofffolie bereits alle diese Jahre überdauert hatte, war allerdings ohnehin ein baldiges Ende zu erwarten.